Mutige Berufswechsel? - Zur Rekonstruktion von Berufsbilder im Alter von 50+ (S. Rundel)

Titel des Promotionsprojektes:

„Mutige Berufswechsel? - Zur Rekonstruktion von Berufsbildern bei beruflichen Wechseln im Alter von 50+“

Forscher*in:

Rundel, Stefan

Gegenwärtige Tätigkeit(en):

  • Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Professur für Erziehungswissenschaft mit dem Schwerpunkt wissenschaftliche Weiterbildung und Weiterbildungsforschung der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg

  • Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Professur für Organisationspädagogik der Universität der Bundeswehr München

  • Vorstandsmitglied des "centrum für qualitative evaluations- und sozialforschung" (ces e.V.)

Betreuungspersonen:

  1. Prof. Dr. Olaf Dörner

  2. Prof. Dr. Sebastian Manhart

Kurzbeschreibung

Berufssoziologische Studien zeigen, dass horizontale Wechsel der Berufsgruppe, wie von der Erzieherin zur Buchhändlerin oder vom Jurist zum Koch, keine Seltenheit sind. Fast 50 Prozent der Berufstätigen in den Geburtskohorten des 20. Jahrhunderts haben ihren Beruf gewechselt. Während diese Studien den beruflichen Wechsel im Kontext der These vom Ende des Berufes behandeln, tauchen in der öffentlichen Debatte berufliche Wechsel im Alter von 50+ auf, die an postmoderne Selbstverwirklichungs- und Individualisierungsdiskurse anknüpfen. Da der Zugang zu Berufen in Deutschland nach wie vor an Bildungszertifikate gebunden ist, sind die beruflichen Wechsel (meist) mit einer erneuten formalen Bildungsphase verbunden.

Das Promotionsprojekt fragt aus einer biografietheoretischen Perspektive nach Formen und Bedingungen des beruflichen Wechsels. Dabei knüpft es an Studien aus der Übergangsforschung an, die beispielsweise zeigen, dass Wissensbestände aus früheren Übergängen, spätere Übergänge orientieren. In Anlehnung an den „iconic turn“ wird dabei der ikonische Sinngehalt vom sprachlichen Sinngehalt unterschieden. Berufsbilder lassen sich dadurch in Abbilder, wie bildhafte Darstellungen von Beruf, Denkbilder, wie Stereotype von Berufen und Erfahrungsbilder, als innere bildliche Repräsentationen von Beruf, differenzieren. Methodologisch orientiert sich das Promotionsprojekt an der Dokumentarischen Methode und der zentralen Leitdifferenz zwischen dem expliziten, theoretischen Wissen und dem impliziten, atheoretischen Wissen. Handlungsleitend, so die zentrale Annahme, wirken damit die Erfahrungsbilder – sie orientieren als implizite Wissensbestände berufliches Handeln.

Das Forschungsdesign umfasst biografisch-narrative Interviews mit Personen, die im Alter von 50+ ihren Beruf gewechselt haben, sowie (Ab-)Bilder, die dem Forschenden im Nachgang zum Interview zugesandt werden. Diese umfassen ein Bild zum „aktuellen Beruf“, ein Bild zum „vorherigen Beruf“ und ein Bild, was Beruf „allgemein bedeutet“. Interviews und Bilder werden getrennt voneinander mithilfe der Dokumentarischen Methode ausgewertet, um Erfahrungsbilder in und mit dem Beruf rekonstruieren zu können. Das Promotionsprojekt leistet damit gegenstandstheoretisch einen Beitrag zur Frage nach Formen und Bedingungen der Teilnahme an Weiterbildungen im Alter von 50+, sowie dem Berufsverständnis von Berufswechsler*innen und methodologisch zur Frage nach dem Verhältnis von Text und Bild.

 

Letzte Änderung: 30.09.2020 - Ansprechpartner: